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Abb. 1: Westag & Getalit AG
Abb. 2: Westag & Getalit AG
Abb. 3: Westag & Getalit AG
Abb. 4: Westag & Getalit AG
Abb. 5: Westag & Getalit AG
Abb. 6: Westag & Getalit AG
Abb. 7: Westag & Getalit AG
- Schalung & Industrie

FUTURIUM - Schwarzer Solitär blickt in die Zukunft

Bis zu 11 m hohe Sichtbetonwände

Abb. 1: Westag & Getalit AG
Abb. 2: Westag & Getalit AG
Abb. 3: Westag & Getalit AG
Abb. 4: Westag & Getalit AG
Abb. 5: Westag & Getalit AG
Abb. 6: Westag & Getalit AG
Abb. 7: Westag & Getalit AG

Futurium Berlin, Fenster in die Zukunft der Menschheit: Ein Solitär mit einem großen, schwarz-schimmernden Schaufenster mit Blick auf den Reichstag. In gebührendem Abstand zu den umgebenden Bürogebäuden. Doch das Futurium kann mehr. Die Formensprache der Kubatur und die innere Gestaltung verdeutlichen höchsten architektonischen Anspruch. 3500 m² schwarz-eingefärbter Sichtbeton geben im Innern den Ausstellungsbereichen eine nahezu sakrale Anmutung. Die Betonoberflächen sind das Ergebnis intensiver und erfolgreicher Versuche, bei der die optimale Schalhaut eine maßgebliche Rolle spielte.


Dipl.-Ing Uwe Gassmann vom Schalungshersteller Westag & Getalit AG, hatte seinerzeit die Baustelle betreut. „Eine in Farbgebung und Textur gleichmäßige Oberfläche sowie definierte Ankerpunkte waren vorgeschrieben. Das Betonieren musste so gut vorbereitet erfolgen, dass es zu Lunkerbildung nicht kommen konnte. Auch deshalb durfte unsere Schalhaut RS special jeweils nur ein Mal eingesetzt werden.“
Das Futurium ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und führender deutscher Wissenschaftsorganisationen, Stiftungen und der deutschen Wirtschaft. Hier werden in Ausstellungen und Veranstaltungen mögliche Szenarien für das Leben in der Zukunft entwickelt und dargestellt. Bauherrin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Große Resonanz beim Tag der offenen Tür
Mitte 2016 war der Rohbau vollendet, am 16. September 2017 konnte die Öffentlichkeit beim Tag der offenen Tür gewissermaßen den ersten Probelauf bestaunen. Es gab ein Roboter-Laboratorium, ein umfangreiches Familienprogramm, künstlerische Interventionen, Vorträge und Diskussionen. „Erneut bespielt wird das Futurium zu den Werkstattwochen im Mai 2018, bevor es dann im Frühjahr 2019 offiziell eröffnet wird“, erklärt Monique Luckas, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Futurium. „Das große Publikumsinteresse am Tag der offenen Tür zeigte uns, wie stark der Wunsch nach der Auseinandersetzung mit zukunftsbezogenen Themen ist.“
Der mit der Errichtung des Gebäudes beauftragte Generalunternehmer BAM Deutschland AG hatte das rund 58 Mio. Euro teure Gebäude schlüsselfertig errichtet. Es ist ein ÖPP-Projekt und es wird 28 Jahre durch die BAM betrieben und instandgehalten.
Bei einem Rundgang mit dem Architekten Christoph Richter offenbarten sich Schönheit und Potential des Baukörpers, für das er mit seinem Partner Jan Musikowski die Architektur entwarf. Im EU-weit ausgeschriebenen, vorgeschalteten Architektenwettbewerb hatte ihr Büro gewonnen und den 1. Preis zuerkannt bekommen.

Der Baukörper hat eine Ausdehnung von ca. 85 m in Nord-Süd-Richtung und ca. 70 m in Ost-West-Richtung. Er hat zwei unterirdische, drei Obergeschosse, zwei Zwischengeschosse sowie eine nutzbare Dachfläche. Gegründet ist er auf einer 1 m starken Stahlbeton-Bodenplatte nach vorheriger Ertüchtigung des instabilen Untergrundes. Bodenplatte und Außenwände wurden als „weiße Wanne“ ausgeführt. Das Tragwerk des Veranstaltungsgebäudes besteht aus einer Stahlbetonkonstruktion mit Stützen, aussteifenden Wänden und Treppenhaus-Kernen. Die stützenfreien Stahlverbundträger haben Spannweiten bis zu 28 m. Massive Stahlbetonwände übernehmen den diagonalen Lastabtrag der nach Süden 18 m weiten und im Norden 11 m weiten Auskragung.
„Als Solitär entfaltet das Haus seine größte Strahlkraft. Die großen, beidseitigen Fensterfronten bieten ein Schaufenster für offene und einladende Impulse. Das begehbare Dach bietet einen phantastischen Ausblick Richtung Reichstag. Mit ihrer anthrazit-schwarzen Farbgebung und der gleichmäßigen, matten Oberfläche geben die bis zu 11 m hohen Sichtbetonwände in den Ausstellungsbereichen den architektonischen Rahmen für Objekt- und Medienpräsentationen“, erläutert Christoph Richter.
Die zurückhaltende Deckenbeleuchtung glänzt sanft im dunklen Gussasphaltboden und akzentuiert die Architektur. Ein heller Sichtbeton hätte eine solche Atmosphäre kaum schaffen können. Der lind-grüne Informationsbereich ist ein nützliches Highlight, denn er gibt durch seine Farbgebung Orientierungshilfe.

Betonieren streng nach Fahrplan
Der Einbau des farbigen Baustoffs erfolgte seinerzeit mit Pumpe und Schlauchverlängerung frisch in frisch aus einer maximalen Fallhöhe von 50 cm jeweils in 50 cm hohen, waagerechten Schüttlagen, um den Betondruck in erlaubtem Maß zu halten. Verdichtet wurde mit Innenrüttlern. Um Nacharbeiten zu vermeiden, war bei jedem einzelnen Betoniervorgang eine genaue und saubere Vorbereitung unerlässlich.
Dem C30/37 Beton, Expositionsklasse XC1, XF1, WO, wurden flüssige Farbpigmente Ferrox-Schwarz in einem Anteil von 12 % der jeweiligen Zementmenge zugefügt. Der Konstruktions-Leichtbeton mit einem hohen Zementanteil (CEM III/A 42,5) von 380 kg enthielt statt Sand und Kies entsprechende Anteile Liapor in adäquater Körnung und Mischung.

Jeweils nur ein Einsatz für die RS special
Uwe Gassmann: „Um die geforderten Parameter sicher zu stellen, wurde die Westag-Schalhaut nur einmal eingesetzt. Insgesamt betrug die Bruttoschalungsfläche ca. 3500 m². Unsere Westag RS special Großflächenschalungsplatte besteht aus hochverdichteten Holzwerkstoffen. Sie hat eine geschliffene und saugende Oberfläche. Bei sehr anspruchsvollen und technisch schwierigen Bauvorhaben ist sie oft die einzige Alternative, weil sie als vorbehandelte saugende Spezialschalung dem Beton während des Abbindens oberflächennahe Luft und Wasser entzieht und eine porenarme Struktur unterstützt“.
Die Schalungsplatten wurden im Format 5.000 x 2.000 x 21 mm geliefert. Die Montage der vorgeölten RS special-Schalungsplatten erfolgte bauseitig auf einer Vario-Trägerschalung des Herstellers Peri mit rückwärtiger Verschraubung. Nach dem bereits das Betonieren der Probewände ordentliche Ergebnis lieferte, lobten die Verantwortlichen nach dem Ausschalen der ersten größeren Wandabschnitte auch die hier sichtbaren guten Resultate. BAM-Bauleiter Volker Engel: „Farbiger Leichtbeton ist sicher immer eine große Herausforderung. Hier hat es gut funktioniert, weil Mannschaft und Material gut aufeinander abgestimmt waren“.

Dachtragwerk als Stahlkonstruktion
Elegant – weil transparent – wirkt das Haus durch seine Glasflächen. Das Dachtragwerk ist als Stahlkonstruktion ausgebildet und mit einer Trapezblecheindeckung verkleidet. Die überkragenden Ausstellungsbereiche mit ihren hohen Nutzlastanforderungen stellten aus Sicht der Tragwerksplaner die zentrale Herausforderung dar. Über beiden Eingangsbereichen im Erdgeschoss wurden die auskragenden Decken über Zugbänder nach oben an die im Dach versteckten Träger gehängt. Zum Energiekonzept des barrierefreien Baukörpers gehören die auf dem geneigten Flachdach montierten Solarthermie- und Photovoltaikanlagen. Die Zertifizierung des Gebäudes, bei dem der Goldstandard des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen erreicht wurde, ist abgeschlossen. Der Primärenergiebedarf nach EnEV 2013 liegt bei 16,8 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Internet unter www.westag-getalit.com und www.futurium.de.